Commerzbank-Umweltpraktikum

Der Sprung ins kalte Wasser

Foto: Laura Bier

Lange habe ich mir überlegt von welchem Ereignis ich wohl berichten könnte. In den letzten Wochen hier im Nationalpark Bayerischer Wald habe ich viel erlebt. Ich habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt, sehr viel Neues erfahren und war an den unterschiedlichsten Projekten beteiligt. Doch auch wenn es in meiner Zeit hier größere und wohl bedeutendere Veranstaltungen gab, die es alle Wert wären davon zu erzählen, möchte ich mit euch die Eindrücke meines allerersten Wochenendes hier teilen.

Bereits an meinem dritten Praktikumstag, ich hatte mich noch nicht mal richtig zurecht gefunden, wurde ich etwas überrumpelt. Ob ich am Wochenende schon etwas vor hätte, war die Frage. Unsicher was jetzt folgen würde verneinte ich, denn die ersten Tage sind bereits sehr turbulent gewesen und ich hatte ehrlich gesagt noch keinen einzigen Gedanken daran verschwendet. Für das bevorstehende Wildnis-hautnah Wochenende musste krankheitsbedingt noch schnell eine neue Betreuerin her und da kam ich ins Spiel. Hier geht es ja gleich richtig rund, schoss es mir durch den Kopf. Erst am Tag zuvor durfte ich eine eigene Station beim großen Aktionstag für Menschen mit Handicap betreuen, an dem über 400 beeinträchtigte Menschen jeden Alters teilnahmen. Froh darüber viel Abwechslungsreiches erleben zu dürfen, gab ich also meine Zusage für das kommende Wochenende. Doch schon am Abend überkamen mich erste Zweifel. War das wirklich eine gute Entscheidung? Ich sorgte mich nicht etwa über mangelnden Komfort in der Forsthütte am Tummelplatz, oder über fehlendes fließend Wasser. Mir wurde nur plötzlich klar, dass ich so etwas noch nie gemacht hatte; Ferienbetreuung. Und dann waren das auch noch 15 Kinder auf einem Haufen. Das Wochenende sollte dazu dienen, wie es der Name auch schon verrät, den Kindern die Wildnis vor ihrer Haustür näher zu bringen, fernab moderner Technik. Das Programm stand, wir hatten schon alles eingekauft und trotzdem war mir nicht wohl bei dem Gedanken, dass mir so viel Verantwortung übertragen wurde für etwas, wovon ich doch keine Ahnung hatte. Sicher, ich war nicht alleine. Mein Mitbewohner und Kollege Fynn (FÖJler), der ständig mit Kindern im Wald unterwegs ist, war auch mit dabei. Für ihn war dieses Wochenende vermutlich nicht mal etwas Besonderes. Und zusätzlich bekamen wir für jeden Tag einen erfahrenen Waldführer an unsere Seite. Und dennoch war ich nervös. Kann ich überhaupt mit Kindern arbeiten? Was, wenn ich keinen Draht zu ihnen finde, oder sie mir auf der Nase rumtanzen? Schließlich absolviere ich mein Praktikum im Bereich Sonderveranstaltungen, was hauptsächlich die Planung und Umsetzung von größeren Events beinhaltet und nicht unbedingt mit der Arbeit mit Kindern zu tun hat. Tausend Zweifel begleiteten mich, aber es half ja nichts. Ich musste da jetzt durch.

Und was soll ich sagen? Es war ein rundum tolles Wochenende bei dem ich so unglaublich viel gelernt habe. Vor allem über mich selbst. Ich habe gelernt, dass es auch Anfang August im Bayerischen Wald auf 1139m über NN verdammt kalt sein kann und dass ein besserer Schlafsack her muss. Ich habe gelernt, dass man sich auch noch mit 24 Jahren bei einer Nachtwanderung im dunklen Wald sehr gruseln kann. Ich habe gelernt, dass nicht nur ich zum Stockbrot grillen zu ungeduldig bin und dass Wandern bergab einfach allen mehr Spaß macht als bergauf. Aber das Wichtigste was ich gelernt habe ist, dass es keinen Sinn macht sich im Vorfeld zu viele Gedanken zu machen. Natürlich gab es die ein oder andere nervige Situation, weil es wohl immer anstrengende Kinder geben wird. Aber auch hier musste ich feststellen, dass es das Beste ist erst mal die Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Vieles, was zunächst nach einem Problem aussieht ist rückblickend betrachtet nie eines gewesen. Das Wochenende hat mir gezeigt, dass Gelassenheit der Schlüssel zu erfolgreichem Arbeiten mit Kindern ist. Und genau diese Erkenntnis hat mir die Arbeit in den folgenden Praktikumswochen so viel leichter gemacht.

Laura Bier, Umweltpraktikantin 2015 im Nationalpark Bayerischer Wald