Commerzbank-Umweltpraktikum

Das Moor und was davon noch übrig ist

Die Sonne kämpft sich gerade so über den Berg, während ich die Straße in den Hinteren Grund in Pobershau einfahre. Halb acht, aber keine Zeit zu verschenken. Schnell die Gummistiefel und Regenhose eingepackt (nur weil hier die Sonne scheint, heißt das nicht, dass sie es 40 km weiter auch tut) und weiter geht’s. Mit Anke Richtung Holzhau, das Moor untersuchen. Die Entwässerungsgräben sind Stück für Stück kartiert worden, für mich heißt’s jetzt die Torfmächtigkeit zu untersuchen. Das bedeutet, mit dem Bohrstock in Transekten durch das Gebiet zu streifen und Bohrproben zu nehmen. Mein Bohrstock kommt dabei auf 80 cm – das reicht in diesem Gebiet meist. Von dem einstigen Moor ist durch die starke Entwässerung und forstliche Bewirtschaftung nicht mehr viel übrig.

Man kämpft sich also durch das Fichtengestrüpp und über Gräben um zwischendurch ein meist ernüchterndes Ergebnis zu erlangen: Hier war mal Torf, aber der ist mittlerweile so degradiert, dass man ihn kaum noch als solchen erkennt. Trotz alledem gibt es ein paar Orte, an denen mein Bohrstock nicht bis in den Mineralboden vorstößt und man noch Pflanzenstrukturen im Torf erkennen kann – meine Highlights. Besonders faszinierend sind dabei die Reste der Wollgraswurzeln oder die kleinen Ascheabschnitte, an denen man erkennt, dass es hier mal gebrannt hat. An jedem Messpunkt wird zudem die moorrelevante Vegetation aufgenommen. Das heißt, Fichte und Eberesche werden ignoriert, Pfeifengras, Braun-Segge und Torfmoose begeistert in meine Liste eingetragen.

Irgendwann, nach getaner Arbeit, treffe ich meine Kollegin Anke vom Naturpark am Auto, die sich währenddessen mit der genaueren Morphologie der Gräben beschäftigt hat. Ein großer Datenhaufen sammelt sich so über die Geländetage an, und im Büro wird dann alles mit Excel und ArcGIS in eine aussagekräftige Form verwandelt – gar nicht so einfach. Aber nach der ganzen Geländearbeit tut so ein Bürotag auch mal ganz gut.

Carla Welpelo, Umweltpraktikantin 2016 im Naturpark Erzgebirege / Vogtland