Commerzbank-Umweltpraktikum

Das magische Leuchten der Nordsee

Foto: Frederike Weißleder

Hört man Wattenmeer denkt man wohl zuallererst an graue, schlammige Weite. Ein Meer aus Schlick in dem nicht viel Leben steckt. Doch spätestens wenn man mit der Fähre von Harlesiel nach Wangerooge übergesetzt hat und in der Inselbahn sitzt, kann man sich sicher sein, mitten in etwas Besonderem zu stecken. Das Begrüßungskomitee aus Austernfischern steht eigentlich stets in den Salzwiesen bereit und durchschneidet die Ruhe mit Gemecker und  Gewetter. Ein Klang der den Besucher auf der Insel ständig begleitet. Zahlreiche weitere Vögel wuseln auf der Insel herum, unter anderem die Eiderente, der Große Brachvogel, die Ringel- und Graugans.

Der Anblick der Salzwiesen lädt zum Träumen und nachdenken ein, zum Ruhe und Entspannung finden. Viele verschieden Grüntöne teilen sich die Bühne mit braunen, gelben und violetten Farbpaletten. Watet man dann noch mit den WattführerInnen durch das Watt, stellt man sehr schnell fest, dass man auf dem Holzweg war. Nicht nur zahlreiche Vögel sind hier zu Besuch, auch der Wattboden ist voller Gewusel. So findet man beispielsweise auf einem Quadratmeter bis zu 100.000 Wattschnecken und Schlickkrebse, 300 Herzmuscheln und 100 Wattwürmer.

Für mich als Waldkind war das alles neu und spannend, ich hätte es kaum für möglich gehalten, dass dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt werden kann. Doch so geschehen, saßen wir, die Nationalparkfamilie, am Lagerfeuer und die Dämmerung machte den Sternen Platz. Radelnd machten wir uns auf zum Hafen um etwas zu sehen, was man wahrscheinlich eher in exotischere und wärmere Gefilde verortet und nicht unbedingt mit der Nordsee verbindet.

Das Meeresleuchten.

Dies sind Dinoflagellaten, also pelagisch (im Meer lebend und frei schwimmend) lebende Organismen mit einem Durchmesser von ca. 2 mm. Sie beginnen bei mechanischer Berührung blaugrün zu leuchten und sind vergleichbar mit Glühwürmchen.

Wenn die Wellen brechen, leuchten diese. Legt man seine Hand in das Wasser, hinterlässt man einen strahlenden Abdruck. Zu beschreiben was in diesem Moment in uns vorging ist nicht so leicht. Magisch. Ich denke dieses Adjektiv beschreibt den Augenblick wohl am Besten. Das anfängliche, fast schon kindlich überschwängliche Lachen verstummte schnell und es lag Ruhe in der Luft. Jeder von uns war mit seinen Gefühlen allein und schlicht und einfach zufrieden.

Schon Wahnsinn wie so ein kleines, leuchtendes Tierchen die Glückshormone zum Kochen bringen kann. Ein Naturschauspiel, das ich nicht erwartet hatte hier zu erleben und meinen Aufenthalt auf Wangerooge während meines Praktikums noch besonderer macht.

Frederike Weißleder, Wangerooge im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 2014