Commerzbank-Umweltpraktikum

Zurück auf meinen Kinderspielplatz

Foto: Hendrik Block

Morgens sechs Uhr, der Wecker klingelt in meiner Wohnung in Ballenstedt. Ich bin natürlich schon vorher wach. Schnell was essen und dann ab aufs Fahrrad. Es geht durch meine kleine liebliche Heimatstadt Ballenstedt, bergan über die herzogliche Allee zum Schlossplatz, am Fuße des ehemaligen Residenzschlosses der Askanier. Jedes Mal ein toller Anblick. Von hier aus soll meine eigentliche Tour starten. Dr. Klaus George, ebenfalls Ballenstedter und Geschäftsstellenleiter des Regionalverbandes Harz, dem Träger des Natur- und Geoparks Harz, hat mich damit beauftragt den Natura Tipp 10 für das FFH-Gebiet Gegensteine und Schierberge bei Ballenstedt auszuarbeiten. Ein Gebiet sozusagen direkt vor meiner Haustür und wo ich mich seit meiner Kindheit sehr gut auskenne.

Der Naturpark Harz besitzt allein in Sachsen-Anhalt 43 FFH- und vier Vogelschutzgebiete die Teil des europäischen Schutzgebietsnetzwerkes Natura 2000 sind. Um diese Gebiete bekannter zu machen initiierte der Naturpark Harz das Projekt „NATURA 2000 im Naturpark Harz“. Dazu legte der Regionalverband Harz eine Broschürenserie auf, die einzelne Natura 2000-Gebiete mit ihren Lebensräumen sowie ausgewählten Tieren und Pflanzen vorstellt. Daneben werden in den Gebieten auch Informationstafeln errichtet und geführte Wanderungen angeboten, die in den Broschüren auf Karten festgehalten sind. Bisher wurden für neun dieser Natura 2000-Gebiete Broschüren herausgegeben. Die zehnte soll ich erarbeiten.

Heute steht das Abfahren bzw. Ablaufen des geplanten Wandervorschlags auf dem Programm. Außerdem will ich noch schöne Bilder für die Broschüre machen. Los geht’s. Vom hoch gelegenen Schlossplatz die Straße am Schlosspark herab in Richtung Norden. Mein Weg führt mich entlang von Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumenbäumen. Ich probiere ein, zwei Äpfel, aber nein noch ziemlich sauer. Pflaumen und Birnen ebenso. Weiter gerade aus. Das erste Ziel, der Große Gegenstein, als östlichster Ausläufer der Teufelsmauer, ist bereits in Sicht. Die imposanten kreidezeitlichen Sandsteinfelsen habe ich bereits unzählige Male besucht. Heute bin ich „dienstlich“ hier. Entlang des schmalen steilen Pfades komme ich mit meinem Trekkingrad nicht weit. Zu Fuß lässt es sich ohnehin viel besser fotografieren. Oben angekommen habe ich einen herrlichen Rundumblick auf das Harzvorland und den Harz. Schnell ein paar Fotos und weiter geht’s. Ich suche unterhalb des Großen Gegensteins nach einer bestimmten Orchidee, dem Herbst-Drehwurz, für meine Broschüre. Aber sie lässt sich noch nicht blicken. Sie wartet wahrscheinlich noch auf den Regen und kühlere Tage. Ich muss mich auch beeilen, bevor wieder die 35°C am Mittag erreicht sind. Dann wird es auf den Trockenrasen der Südhänge im Gebiet unerträglich.

Weiter geht’s auf dem kleinen schmalen Pfad am Hang zum Kleinen Gegenstein, der auch der „Laute“ genannt wird. Den Grund dafür kannte ich schon als Kind. Im Gegensatz zum Großen Gegenstein, dem „Leisen“ gibt es nämlich hier ein deutliches Echo. Die Straße hinab vom Kleinen Gegenstein kann ich wieder Zeit mit dem Rad rausholen. Vorbei am Zehling, einem kleinen Wäldchen in dem jedes Jahr zur Frühlingszeit ein mehrere hundert Quadratmeter großer Teppich aus Märzenbechern blüht. Aus einer Senke heraus gehe ich wieder bergan, hoch auf den langgezogenen Höhenzug der Schierberge. Die Felsformationen hier sind weniger imposant aber dennoch sehenswert. Weiter geht’s in Richtung Roseburg. Der Weg am kleinen, mit Weiden und Erlen gesäumten Eulenbach entlang ist ziemlich zugewachsen. Das notiere ich mir sogleich. Denn ich schreibe nebenher gleich noch eine Wegbeschreibung für den Wandervorschlag in der Natura-Tipp-Broschüre. Ich weiche auf einen Feldweg aus, den ich ohnehin als alternativen Wanderweg noch prüfen wollte. Der Weg wird von Meter zu Meter immer schlechter. Einen wirklich schönen Blick auf die Roseburg gewährt er auch nicht. Früher gab es hier mal einen guten Weg, erinnere ich mich. Ich versuche trotzdem mit dem Fahrrad weiter vorwärts zu kommen. Doch schon bald wird ein weiterfahren unmöglich. Ich steige ab und schiebe den Berg östlich der Roseburg hoch. Die Sonne drückt jetzt schon ziemlich. Vom ehemaligen Weg ist nichts mehr zu sehen. Oben angekommen erblicke ich die nahezu undurchdringliche Hecke, die ich sonst nur von der anderen Seite aus kenne. Aber deshalb extra einen langen Umweg nehmen? Nein. Ich suche eine Lücke in der Hecke und finde sie auch. Endlich auf einem richtigen Weg angekommen will ich mich gemütlich wieder aufs Fahrrad schwingen und die restliche Strecke zurücklegen. Doch daraus wurde nichts. Ein Dorn hat sich durch den Mantel in den Schlauch gebohrt.

Also wurde der Rückweg zur Wohnung doch geschoben. Da blieb mir wenigstens Zeit den Ausblick auf das Schloss Ballenstedt und den Harz zu genießen. Außerdem konnte ich gleich in Gedanken den Weg resümieren. Nach einer kurzen Mittagspause in meiner Wohnung, ging es dann noch ins Büro. Dort verfasste ich gleich die Beschreibung des Wandervorschlags mit den am Vormittag gesammelten Eindrücken.

Hendrik Block, Umweltpraktikant 2015 im Natur- und Geopark Harz