Commerzbank-Umweltpraktikum

Brechen, Schwingen, Hecheln - aus Flachs wird Kleidung

Foto: Naturpark Altmühltal

Heute begleitete ich eine unserer Naturparkführerinnen mit ins Jura-Bauernhofmuseum, um sie dort bei der Betreuung einer Grundschulklasse zu unterstützen. Den Kindern sollte an mehreren Stationen nähergebracht werden, wie die Menschen vor 100 Jahren gelebt haben.
An meiner Station ging es dabei um das Thema Kleidung. Klar, dass man früher aus Schafswolle und Leinen Kleidung hergestellt hat, wusste ich schon. Aber was für ein wahnsinniger Aufwand das ist, das war auch mir neu. Um den Kindern zu demonstrieren, wie aus dem Flachs(Lein) Kleidung hergestellt wurde, erhielt jedes Kind einen getrockneten Flachsstängel. Dieser musste nun im ersten Schritt "gebrochen" werden. Hierzu wird der Stängel auf der gesamten Länge mit der Breche zerkleinert. Nun musste der Flachs noch "geschwungen" und "gehechelt" werden. In diesen Schritten werden die Kurz- und Langfasern voneinander getrennt und die Holzbestandteile entfernt. Zur Hilfe diente hier eine Art kleines Nagelbrett, durch welches der Stängel immer wieder gezogen wird, bis man nur noch die Langfasern in der hand hält. Diese fühlen sich nun an wie "weiche Haare". Diese Langfasern können nun gesponnen und zu Garn weiterverarbeitet werden.
Die Kinder hatten einen riesigen Spaß an den einzelnen Schritten und waren fasziniert, wie man aus dem vertrockneten Stängel diese weichen Fasern gewinnen konnte. Als ich ihnen dann aber erzählte, dass diese Arbeiten früher oft von Kindern gemacht wurden und dann nicht nur zum Spaß, so´ndern stundenlang, brachte dies die Kinder schon ins Grübeln. Ich fragte, wo sie denn den Unterschied zwischen dem Umgang mit Kleidung früher und heute sehen. Hierbei wurde auch den Kindern klar, dass wir es heute doch sehr viel einfacher hätten und "ja nur ins Geschäft gehen müssten".
Im Anschluss wurde mit der gesamten Klasse noch der alte Bauernhof besichtigt, wobei auch die mehrfach geflickten Kleidungsstücke im Schrank angesprochen wurden und den Kindern wurde wieder klar, dass Kleidung früher viel mehr wertgeschätzt wurde, als heutzutage. Auf die Frage, was man denn auch heute noch machen könnte, um seinen Klamotten die Wertschätzung entgegenzubringen, die ihnen gebührt, kamen den kindern auch gleich zahlreiche Ideen: "Mama könnte kaputte sachen wieder nähen", "Man könnte auch mal gebrauchte Sachen von Geschwistern anziehen" oder "Wenn mir meine Sachen nicht mehr gefallen, schenke ich sie immer anderen Leuten".
Nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich endete damit ein sehr lehrreicher Tag. Ich bewundere die Arbeit der Menschen früher und bedaure, dass dieses handwerkliche Wissen von Zeit zu Zeit immer weiter verloren geht und die Kleidung für die meisten Menschen wirklich einfach nur "aus dem Geschäft" kommt. Aber ich denke, Veranstaltungen wie diese, sorgen dafür, dass doch nicht ganz vergessen wird, wieviel Arbeit und Rohstoffe eigentlich in jedem einzelnen Kleidungsstück stecken.

Kevin Täubert, Umweltpraktikant 2015 im Naturpark Altmühltal