Commerzbank-Umweltpraktikum

Arbeitsplatz Waldspielgelände

06:15…Snooze…06:20…Snooze…06:25.. Snooze…06:30..Nur noch einmal umdrehen...06:35 ….ok jetzt aber wirklich, raus aus den Federn! Viel zu früh schmeißt mich mein Wecker drei Mal in der Woche aus dem Bett, wenn es heißt, pünktlich um 7:00 Uhr bei der Besprechung mit den Waldarbeitern mit Präsenz zu glänzen. „Wäscheklammer, Fernglas, Augenbinden, Tierbilder, Becherlupen… Haben wir alles? Oh, das Luchsfell fehlt noch!“ - Noch die letzten Sachen für den Kindergeburtstag am Nachmittag eingepackt und dann los. Ach ja, bevor ich es vergesse: Wir, das sind mein Arbeitskollege Lukas, ein FÖJler und ich. Mit unserem blauen VW-Bus, liebevoll „Gustel“ genannt, fahren wir nach Spiegelau zur besagten frühmorgendlichen Besprechung. Mit Gähnen verkneifendem Gesicht höre ich mir das Arbeitsprogramm der Waldarbeiter an. Damit man bei so manchem Witz auf Urbayerisch die Pointe versteht, ist ein hohes Maß an Konzentration, Phantasie und eine ausgeprägte Fähigkeit zum Lippenlesen nötig.

Nächste Station: Waldspielgelände! Dies ist ein Landstrich mit Naturerlebnispfad, drei Waldspielplätzen und einer großen Waldwiese. In Kürze: mein Arbeitsplatz. Noch bevor Kinder hier herumtollen, sind wir damit beschäftigt, das Gelände von Müll zu befreien. Viele verschiedene Charaktere müssen laut meiner privaten Müllstudie hier vorkommen: Der gestresste Kettenraucher und das Maoam-en-masse-vertilgende-Monster sind nur zwei der Arten von Müllproduzenten im Waldspielgelände. Der Müllsack füllt sich rasch. Noch die ein oder andere Tastbox mit Naturmaterialien aufgefüllt, heruntergefallene Schilder wieder montiert und schon ist es Zeit für die in Bayern wohlbekannte „Brotzeit“.

Der Nachmittag wird mit einem Sherlock-Holz-Kindergeburtstag ausgefüllt. Mit verschiedenen Spielen und Rätseln zum Wald werden die Kinder entlang des Naturerlebnispfades oder quer durch das Waldspielgelände gescheucht. Luchs und Reh, Fledermaus und Motte, jegliche Räuber-Beute-Beziehung wird spielerisch vermittelt. Mit Becherlupen und etwas Geschick fangen die kleinen Sherlock-Holz-Detektive Kleinstlebewesen an Land und im Wasser. Spätestens der Anblick des Luchsfelles versetzt dann jede Spürnase ins Staunen.

Der Geburtstagsnachmittag klingt aus, und wir machen uns auf unseren Heimweg nach Waldhäuser, einem idyllischen kleinen Bergdorf im bayerischen Wald. Die Suche nach Handyempfang ist dort nahezu hoffnungslos und schnelles Internet gibt es auch nur Anfang des Monats. Dafür findet man dort etwas viel Wertvolleres: warmherzige, gleichgesinnte junge Leute. Alle verschieden, aber doch vom selben Schlag: Der ehrgeizige Organisationsfreak, der liebevoll chaotische Querdenker, die Gemeinschaftsspiel-süchtige Tschechin oder die Tänzerin, die weiß was sie will. Keinen möchte ich missen.

Liebes Tagebuch, so kann bei uns hier im Bayerischen Wald ein Tag ablaufen. Kein Tag ist dabei wie der andere, ob wir mit Kindern Phantasie-Spechte bunt bemalen, den ausgestopften Bären „Ludwig“ durch die Verwaltung schleppen oder Windeln beim Müllsammeln im Waldspielgelände finden: alles macht die Zeit hier einzigartig.  

Irene Gianordoli, Umweltpraktikantin 2016 im Nationalpark Bayerischer Wald, Waldspielgelände