Commerzbank-Umweltpraktikum

Arbeiten wo andere Urlaub machen

 

Moin aus der Seehundstation Nationalpark-Haus in Norddeich (Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer). Wir haben hier grade über 100 kleine, niedlich wirkende (in Realität aber bissige Raubtiere) und immer molliger werdende Heuler, die ich einfach jeden Morgen erst einmal bewundern muss, solange die Station noch geschlossen ist und die Besuchermassen hier noch nicht eingefallen sind. Es ist auch nach über zwei Monaten hier immer wieder schön, die Kleinen zu beobachten, wie sie im Wasser rumtollen oder – zugegebener Maßen ganz schön ungeschickt – über ihre Liegefläche neben ihrem Becken robben.

Um 10 Uhr ist es dann aber vorerst vorbei mit der Ruhe, dann werden die Türen geöffnet und der Besucheransturm kann kommen. Ich wurde zwar vorgewarnt, dass hier in den Sommerferien einiges los sein kann, aber mit so vielen Menschen hätte ich niemals gerechnet. Ich wundere mich immer wieder aufs Neue, wenn ich die lange Schlange sehe, die sich in letzter Zeit häufig vor der Kasse bildet.

So gefühlsmäßig macht hier gerade ganz Deutschland Urlaub. Das merkt man nicht nur in der Station, sondern auch an den leergefegten Regalen im Supermarkt, wenn man nach Feierabend noch das Problem hat, etwas für das Abendessen einkaufen zu müssen. Die vielen Urlauber sorgen für den Fortbestand der Seehundstation Nationalpark-Haus, die sich aus Spenden und Eintrittsgeldern finanziert, bedeuten aber auch ganz schön viel Arbeit für uns. Wir arbeiten hier in der Umweltbildung in einem Team aus zwei festangestellten Mitarbeitern, zwei FÖJ-Mädels und jetzt im Sommer zwei Praktikantinnen und unsere Aufgabe ist es, die Urlauber in der Ausstellung, im Watt und auf Schiffen zu betreuen. Am Ende des Schuljahres waren sehr viele Schulklassen hier und zu meinen Aufgaben gehörte es in der Station Vorträge über die Seehunde zu halten oder mit den Kindern an den Strand und ins Watt zu gehen, um ihnen vor Ort zu erklären, was alles im und um das Watt herum lebt. Jetzt in den Ferien sind diese Veranstaltungen seltener und das heißt für uns, dass wir mehr Zeit haben um Führungen durch die Ausstellung anzubieten. Das Schwierige bei den Führungen ist für mich nur, mich nicht vom Anblick der Seehunde aus dem Konzept bringen zu lassen und eigentlich würde ich auch gern öfter „raus in die Natur“ gehen.

Sehr gerne und so oft wie möglich gehe ich deshalb mit auf „Seehundfahrten“. Das sind von der örtlichen Reederei Frisia organisierte und von der Nationalpark-Verwaltung zertifizierte „Nationalpark-Erlebnis-Fahrten“ zu den Sandbänken, auf denen sich die Seehunde gerne aufhalten. Die Fahrten werden immer von mindestens zwei Mitarbeitern begleitet, die den Gästen auf dem Schiff viel über die Tiere und das Wattenmeer erzählen, Ferngläser verleihen und Kindern ein Quiz anbieten. Für mich sind diese Fahrten jedes Mal wieder ein Highlight, weil meine Arbeitsstelle nicht direkt im Nationalpark liegt und ich so die Möglichkeit habe das Wattenmeer auch „richtig“ zu erleben.

Etwas stressiger geht es da bei den „Stranddetektiven“ zu, einer Veranstaltung, die wir für Kinder anbieten. In Gruppen geht es zum Deich, an den Strand und ins Watt bei der den Kindern alles zu den jeweiligen Orten erklärt wird. Spätestens im Watt kann das vor allem mit Schulklassen ganz schön anstrengend werden, wenn die Kinder sich im Schlick dann so richtig austoben wollen. Da komme ich dann auch manchmal ganz schön k.o. und von oben bis unten voller Matsch zurück in die Station und würde am liebsten Feierabend machen und duschen, aber nichts da. Die nächste Veranstaltung geht bald los, also nur kurz ausruhen, umziehen und weiter geht’s.

Nach der Arbeit genieße ich den Feierabend mit meinen Kolleginnen zusammen am Strand und – wenn die Gezeiten es zulassen – bei einer willkommenen Abkühlung in der Nordsee.

Maren Niehues, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

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