Commerzbank-Umweltpraktikum

Am Ende des Tages

Foto: Belinda Strahl

Mit dem Fahrrad strampele ich den Berg hoch - schon wieder etwas zu spät - aber irgendwie komme ich am Berg nicht schneller voran. Ich lasse mich auf meinem Arbeitsweg immer wieder von der Umgebung ablenken und fahre unbemerkt langsamer. Schau mir an, wie die Täler langsam von der Sonne beleuchtet werden und wie nach dem langen Anstieg im Schatten die ersten Sonnenstrahlen über den Dürener Berg streifen. Immer an der gleichen Stelle, kurz vor der Kuppe, in einem Fichtenbestand leuchtet die Sonne mich an und lässt den kühlen und feuchten Wald ganz ruhig und friedlich aussehen.
Von jetzt an geht es nur noch bergab bis ich an meinem Arbeitsort, der Wildniswerkstatt des Nationalparks Eifel, angekommen bin. Obwohl ich ganz und gar keine Frostbeule bin, hier oben im Wald war es obwohl es doch Sommer ist, ziemlich oft ganz schön kalt.
Generell bemerkt jedoch keiner die Kälte - außer den Betreuern der Tages-gäste, die wir hier in der Wildniswerkstatt begrüßen. Die Kinder haben Zeit die Natur mal genau unter die Lupe zu nehmen, aber auch allerhand Spiele zu spielen, bei denen sie ein besseres Verständnis für Vorgänge in der Natur entwickeln können. 

Der Gedanke, der hier vorherrscht, hat mich begeistert: den Kindern ihren Freiraum lassen. Nicht, dass ich dieses Prinzip nicht vor meinem Praktikum schon für gut geheißen habe. Mir ist jedoch bewusst geworden, dass Führungen in der Wildniswerkstatt nicht nur für eine Wissensübermittlung gut sind, sondern auch dafür da sind, dass Kinder nicht ständig beschallt und unterhalten werden. Sie können sich im Wald mal wieder austoben, sich selbst Spiele ausdenken und kreativ mit der freien Zeit umgehen.
Erst um die Mittagszeit wird es richtig heiß und zwar am Lagerfeuer, über dem mit den Kindern Stockbrot und Würstchen zubereitet werden. Die Hängematten hängen rund um die Hütte und laden zum Ausruhen ein. Immer wenn ich an einer der Hütten ankomme, sieht sie anders aus. Nicht nur dass die Natur sich in der Zeit in der ich hier war verändert hat: Von dem frischen Grün der Bäume bis zum üppigen Farnbewuchs und zuletzt den reifen Heidelbeeren. Nein, vor allem die Anzahl, die Größe und die "Ausstattung", der von den Kinden gebauten Tipis, ändert sich innerhalb von Stunden.

Die Kinder, aber auch ich, sind meistens ganz schön müde am Ende des Tages, aber ich kann nur sagen, dass es im Wald sicher nicht langweilig wird. 

 

Belinda Strahl, Umweltpraktikantin 2015 im Nationalpark Eifel