Commerzbank-Umweltpraktikum

Abenteuer im Moor

Foto: Nora Kremtz

Ich bin mal wieder im Moor. Das ist mein kleines Projekt während des Praktikums, Gräben kartieren. Nicht regelmäßig, aber hin und wieder fahre ich deswegen in die Stengelhaide, einem Moor auf dem Erzgebirgskamm zwischen Kühnhaide und Reitzenhain nahe der Tschechischen Grenze. In der Stengelhaide wurde früher Torf abgebaut und zu diesem Zweck ein weit verzweigtes und teilweise unübersichtliches Grabensystem angelegt, um das Moor zu entwässern und damit begehbar zu machen. Heutzutage bemüht man sich hier um eine Renaturierung der noch vorhandenen Restmoorflächen. Im Ostteil der Stengelhaide wurden schon viele Maßnahmen zur Wiedervernässung des Moors umgesetzt. Der Westteil des Moors ist noch völlig entwässert und von teilweise sehr tiefen Gräben durchzogen. Die Kartierung dieser Gräben ist meine Aufgabe. Als Grundlage habe ich eine im ArcGIS (©Esri) gefertigte „hillshade“-Karte, die aber an manchen Stellen nicht sonderlich genau ist.

Das Grabensystem in der Stengelhaide ist an einigen Stellen schachbrettartig und an anderen völlig durcheinander angelegt. Zum Kartieren renne ich also kreuz und quer durch das Moor, wobei rennen leicht übertrieben ist. Hier ist es teilweise ganz schon zugewachsen und es liegt viel Totholz herum, sodass man sowohl nach unten als auch nach oben gucken muss, um nicht zu stolpern oder einen Ast ins Gesicht zu bekommt. Es ist also mehr ein Kriechen und Steigen und hat teilweise schon fast akrobatische Zügen, wenn beispielsweise über einen alten Baumstamm balanciert werden muss, um einen breiten Graben zu überwinden. Bloß nicht reinfallen!

Wenn man so im Moor umher stolpert, kann man auch viele Tiere beobachten. Heute zum Beispiel habe ich ein Hirschkalb bei seiner Mittagsruhe gestört, es lag nur etwa 5 m vor mir und ist dann aufgesprungen und weggerannt. Vor ein paar Tagen habe ich mir eingebildet ein Wildschwein zu hören, dass war allerdings nicht so angenehm. Ansonsten hört und sieht man natürlich viele Insekten und Vögel, die ich allerdings nicht alle bestimmen kann. Auch eine Kreuzotter habe ich schon gesehen, meine erste und dann gleich eine der selteneren schwarzen.

In den nächsten Wochen werde ich wohl noch viel unterwegs sein, um die restlichen Gräben zu kartieren. Darauf freue ich mich schon, auch wenn jetzt langsam die Zeit der Mücken und Gnitzen beginnt und man von einer Wolke dieser fiesen Stechmonster umgeben ist, sobald man im Moor auch nur eine Sekunde stehen bleibt. Aber naja, da muss ich dann wohl durch.

Nora Kremtz, Umweltpraktikantin 2015 im Naturpark Erzgebirge / Vogtland