Commerzbank-Umweltpraktikum

Natur- und Wildnisschulung in den Alpen

 

Liebes Tagebuch..
..heute war ein schöner Tag. Es war mein zweiter Tag in der Ramsau, mein zweiter Tag im Commerzbank-Umweltpraktikum im Nationalpark Berchtesgaden. Um 8.30 Uhr stand ich zusammen mit den anderen Commerzis, den FÖJlern, einigen der Ranger*Innen und den Mitarbeiter*Innen der Umweltbildung im Garten des Klausbachhauses der NP-Infostelle Hintersee und fror. Der Himmel war bedeckt und folgedessen war es noch sehr kalt und feucht im Klausbachtal, einem der drei Haupttäler des NP Berchtesgaden. Wir warteten, dass der zweite Tag der Wanderführerfortbildung, heute zum Thema Wildnisbildung, losging.  

Zu Gast war Ronny Bachmann, angereist aus Österreich und Leiter der „Natur- und Wildnisschule der Alpen". Zu Beginn forderte er uns auf, sich in einem großen Kreis aufzustellen und begann eine etwas andere Form der Begrüßung. In einer Art Morgenmeditation dankte er uns allen, dass wir gekommen waren und auch dem Platz, dass wir dort stehen durften. Er dankte den Baumleuts, dass sie uns zwischen sich aufnahmen, dem Vogel, der gerade vorbeiflog, dem Himmel, der uns bedeckte, und vielen anderen Bestandteilen sowie der ganzen Mutter Erde selbst. Danach begann er rhythmisch abwechselnd auf seine Knie und auf die seiner Nebenmenschen zu klatschen. „Heeya heeeja heeja ho, heeya heeeja heeja ho.. heeya heeeja heeja ho, heeya heeeja heeja ho.. Für die Erde danken wir, Steine, Menschen, Pflanz' und Tier!". Es folgten noch passende Bewegungen mit den Armen und Händen, die in unserem Kreis zu einiger Verwirrung beim Nachmachen führten. Doch irgendwann hatten die meisten den Dreh raus und es klatsche und sang um die Wette: „Heeya heeeja heeja ho, heeya heeeja heeja ho.. Für die Erde danken wir, Steine, Menschen, Pflanz' und Tier...!".  

Das Lied sollte in den kommenden Wochen noch häufiger am gemeinsamen Esstisch der großen Commerzi-/Bufdi-/FÖJ- und Praktikanten-WG in der Ramsau wiederholt werden. Anschließend begann Ronny aus seinem Leben zu erzählen. Ich saß mit den anderen auf dem Waldboden und hörte ihm zu, wie er als junger Mann nach Amerika ging und dort jahrelang mit Indianern gelebt hatte, wie sie unbewusst zu seinen Mentoren wurden und er so von und mit ihnen gelernt hatte. Dabei sei es nie um Wissen gegangen, sondern immer um eine Verbindung zur Natur, um genaues Beobachten, Respekt und um Geschichten. Er sollte noch viele Geschichten erzählen an diesem Tag. Unter Anderem sprach er von Coyote Teaching (eine Methodenform der Wildnispädagogik), von 3 Goldenen Fragen, die zum Selber-Nachdenken anregen sollen, von Energieströmen und Baumfreunden, von Scouts im Training sowie von den Kindern seiner Wildniscamps und von seinem Stamm, seiner „family".  

Und auch wenn wirklich viele Geschichten erzählt wurden an diesem Tag, konnten wir auch selber Methoden des Coyote Teaching ausprobieren. Beispielsweise übten wir uns in „Eulenblick" und „Fuchsgang" und im Feuermachen innerhalb von 3 Minuten. Mir hat besonders eine Übung gefallen, in der alle mit verbundenen Augen im Fuchsgang barfuß durch den Wald tapsten und den trommelnden Ronny finden mussten (Foto), ohne gegen einen Baum oder in ein Gebüsch zu laufen.

Insgesamt war es ein guter Tag. Die meiste Zeit saß ich auf dem Waldboden oder im Gras, hörte den Geschichten zu und ließ meine Gedanken schweifen.

Svenja Meyer, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Berchtesgaden