Commerzbank-Umweltpraktikum

Müllmonster in Sicht


Und es gibt sie doch! Als ich mein Praktikum im Nationalpark Jasmund begann, hätte ich nie gedacht, dass ich auch gegen Monster werde kämpfen müssen. Und nun steht oder besser liegt es direkt vor mir und grinst mich frech an.

Es ist Küstenputztag. Zusammen mit dem Nationalparkzentrum werden wir Schulklassen bei ihrer Müllsammelaktion begleiten und die Kinder über die Verschmutzung der Meere informieren.

Heute sind wir mit der Klasse 3a der Ostseeblick-Grundschule unterwegs um den Müllmonstern den Garaus zu machen. Am Morgen haben wir die Kinder an der Schule abgeholt und wurden mit dem Bus zu unserem heutigen Einsatzort gefahren. Bevor es los geht bekommen die Kinder noch ein kurzes Briefing: Wie verhalte ich mich, wenn ich ein Müllmonster finde? Woher kommen diese eigentlich und wie kann man vermeiden, dass sie überhaupt entstehen? Die Kinder heben die Hände: ”Ich hab mal in einer Doku gesehen, wie eine Schildkröte verhungert ist, weil sie Plastiktüten gegessen hat. Die dachte das seien Quallen.” - ”Meine Mama benutzt nur Stofftüten beim Einkaufen.”. Die Kinder sind eifrig dabei und ich muss lächeln. Mit solchen Kids kann die Welt nur besser werden. Dann spielen wir noch ein Spiel von der Möwe im Plastiksalat und die Kinder sind bereit. Jeder bekommt die ultimative Schutzausrüstung gegen Müllmonster ausgehändigt: Handschuhe, Mülltüte und Müllzangen. Dann startet die Müllmonsterjagd.
Die Vorbereitungen auf den Küstenputztag hatten schon vorherige Woche begonnen. Ich hatte mir Spiele für den Strand herausgesucht, die den Kindern die Müllproblematik spielerisch verdeutlichen sollten. Außerdem sollte ich für den zugehörigen Projekttag an der Schule die Experimente testen und schauen, ob noch etwas fehlt oder verbessert werden muss. Alles kein Problem. Schon saß ich an meinem Schreibtisch und suchte aus vorhandenen Materialien das passende Programm zusammen. Ein Tobespiel, ein Nachdenkspiel und etwas Kreatives. Für jede Situation etwas dabei. Die Experimente spielte ich einmal mit Kinderaugen durch. Filtration von Hautpeeling. Tatsächlich blieben Mikroplastikspuren gut sichtbar auf dem einfachen Kaffeefilter zurück. Perfekt. Die Fühlkiste wurde noch um ein paar Objekte erweitert und verschönert und für das Schwimmexperiment suchte ich noch flink die zugehörigen Materialen heraus. Ein Taschentuch, welches, nachdem es sich vollgesogen hat, untergeht, eine Plastiktüte die nah der Wasseroberfläche treibt und ein Seil mit Gewicht, welches in der Wassersaule verbleibt. Fertig. Die Kamera für die Müllmonster! Die durfte ich natürlich auch nicht vergessen! 

„Nicole! Schau mal!“. Eilig laufe ich mit der Kamera zu dem Ort des Geschehens. Stolz präsentieren mir die Drittklässler ein riesiges abscheuliches Müllmonster. Sofort wird es mit der Kamera dokumentiert. Nach zwei Stunden blicken wir auf unsere Ausbeute: Flaschen, Plastikdeckel, Plastiktüten, Metall und diverse andere Müllteile kommen zum Vorschein. Die Kinder sind angesichts der Menge sichtlich erschrocken. ”Das habt ihr super gemacht! Wisst ihr eigentlich, dass ihr alle heute zu Lebensrettern geworden seit? Genau! All den Tieren, die aus Versehen diesen Müll gefressen und daran erstickt oder vielleicht verhungert wären habt ihr heute das Leben gerettet.” Ich schaue in müde, aber stolze Gesichter. Wir haben es besiegt und die Welt gerettet – naja fast – aber es war ein Anfang!

Nicole Smialek, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Jasmund