Commerzbank-Umweltpraktikum

Mit Schüler*innen den Lebensraum Gewässer erkunden

Ein sonniger Morgen im Waldspielgelände in Spiegelau im Nationalpark Bayerischer Wald. Auf dem Programm für den heutigen Tag steht eine Führung mit Grundschulkindern zum Thema Lebensraum Gewässer. Für mich ist das eine spannende Premiere, denn zu diesem Thema ist dies meine erste Führung. Unterstützt werde ich von einem FÖJ-Kollegen, der sich schon bestens im Waldspielgelände auskennt.

Mit einer Gruppe von zwölf hochmotivierten Viertklässler*innen und ihrer Lehrerin aus der Grundschule Spiegelau machen wir uns vom Parkplatz auf. Nach ein paar Minuten Fußweg befinden wir uns schon auf der idyllischen Waldwiese, inmitten des Waldspielgeländes. Ein guter Platz für den inhaltlichen Einstieg: in lockerer Atmosphäre, im Gras sitzend, besprechen wir gemeinsam die Eigenschaften und die Bedeutung von Wasser. Ich bin erstaunt, wie viel die Schüler*innen bereits über den Wasserkreislauf wissen und welche im und am Gewässer lebenden Pflanzen und Tiere sie kennen.

Nun aber genug Theorie! Ausgestattet mit Keschern, Eimern, Becherlupen und Bestimmungsliteratur können wir endlich mit dem spannendsten Teil des Programms beginnen: der Suche nach Lebewesen an einem, auf den ersten Blick doch eher leblos erscheinenden, Tümpel am Rand der Waldwiese. Ich selbst bin mindestens so gespannt wie die Schüler*innen und staune nicht schlecht, als wir schon nach kurzer Zeit eine Vielzahl von Tieren entdecken. Das faunistische Spektrum reicht von Wasserläufern, Rückenschwimmern über Großlibellenlarven und – für die Kinder das absolute Highlight – Bergmolchen. Die streng geschützten Tiere werden nach einer kurzen Begutachtung in Becherlupen selbstverständlich schnellstens wieder in die Freiheit entlassen. Um den Fund der genannten Arten auch in einen ökologischen Kontext einzuordnen, empfiehlt sich z.B. der Vergleich von Still- und Fließgewässern. Unsere nächste Station ist also einer der durch das Waldspielgelände fließenden Bäche. Auch hier wird mit viel Enthusiasmus nach Lebewesen gesucht. Das Resultat: Mückenlarven, Bachflohkrebse und sogar der Köcher einer Köcherfliegenlarve. Diese Funde erlauben mir passenderweise eine gute Überleitung zum Thema Wasserqualität, denn sowohl Bachflohkrebse als auch die meisten Köcherfliegenarten gelten als Indikatoren für eine gute bis sehr gute Wasserqualität.

Danach kehren wir zufrieden zum Eingang zurück und fassen die wichtigsten Erkenntnisse und Beobachtungen des Tages zusammen. Ich selbst verzeichne die Führung als einen Erfolg für alle Beteiligten, denn nicht nur die Kinder, sondern auch wir als Führende, werden viele Eindrücke und neu gewonnene Informationen mit nach Hause nehmen. Und das ist eines der bedeutendsten Dinge am Umweltpraktikum hier im Nationalpark Bayerischer Wald: nachhaltige Umweltbildung für andere und sich selbst gelingt am besten durch Natur zum ‚Anfassen‘.

Cathleen Kertscher, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Bayerischer Wald