Commerzbank-Umweltpraktikum

Einmal Neuwerk noch sehen

Wie fast jeden Morgen werde ich gegen 8 Uhr von der Sonne geweckt, die durch das Dachfenster genau auf mein Bett scheint. Da fällt das Aufstehen gar nicht schwer. Heute Vormittag geht’s zuerst in die Ausstellung ins Nationalpark-Haus. Der Weg dorthin dauert mit dem Fahrrad nicht einmal 5 Minuten. Mein Fernglas habe ich trotzdem immer dabei. Man weiß ja nie!
Heute überrascht mich ein junges Braunkehlchen, das gelassen auf einem Zaunpfahl der Pferdeweide sitzt. Es ist das erste Braunkehlchen für mich in diesem Jahr auf Neuwerk. Vermutlich ist es gerade auf dem Weg in den Süden und legt hier auf der Insel einen kleinen Zwischenstop ein. Noch schnell ein Foto, dann kann ich mich losreißen. Im Nationalpark-Haus angekommen beantworte ich die Fragen der neugierigen Touristen, die heute Morgen mit dem Schiff aus Cuxhaven angekommen sind. „Warum gibt es hier keine Schafe auf dem Deich?", „Wann kann ich nach Scharhörn laufen?", „Wo gibt’s hier Seehunde?" und „Warum liegen so viele tote Möwen im Ostvorland?". Zwischendurch ein paar Postkarten verkaufen, ans Telefon gehen, Emails beantworten und die Vogelbeobachtungen von gestern eintragen. Dann ist auch schon Mittagspause.
Ich radele fix nach Hause und schmiere mir ein paar Brote. Um 14:30 Uhr (3 Stunden vor Niedrigwasser) steht noch eine Wanderung zu den Seehundbänken an. Eine nette Gruppe aus Göttingen hat sich angemeldet. Zum Glück haben sich die dunklen Wolken mittlerweile verzogen und die Sonne strahlt mit den Besuchern um die Wette. Eine knappe Stunde laufen wir mit Ferngläsern und Spektiv bewaffnet raus ins Watt. Auf dem Weg lassen sich immer wieder spannende Dinge entdecken und jeden Tag sieht das Watt mit seinen unzähligen Prielverläufen wieder ein bisschen anders aus. Faszinierend. Auch die Besucher sind begeistert. Auf einer Sandbank mit guter Sicht auf die Seehundbänke angekommen, baue ich das Spektiv auf. Die Besucher haben nun etwa 45 Minuten Zeit um die knapp 100 Seehunde zu beobachten während ich all mein Wissen über die Lebensweise, Ökologie und Gefährdung der Seehunde preisgebe. Dann müssen wir wieder zurück zur Insel, auch wenn wir gerne noch bleiben würden, denn das Hochwasser wartet nicht auf uns. Eine knappe Stunde später erreichen wir glücklich und erschöpft das Badehaus im Norden der Insel.
Die meisten anderen Gäste der Insel haben sich in der Zwischenzeit schon wieder auf den Weg gemacht Richtung Festland – entweder zu Fuß durchs Watt oder mit dem Wattwagen. Das Schiff fährt erst morgen früh wieder. Es ist nun Ruhe eingekehrt auf der Insel und alles nimmt seinen gewohnten Lauf. Abendbrot gibt es bei mir heute auf dem Deich, der sich direkt vor meiner Haustür befindet. Das Wetter ist einfach noch zu schön. Ein herrlich endlos weiter Blick aufs Meer mit all den Schiffen und einem wunderschönem Sonnenuntergang. So könnte es doch eigentlich immer sein. Doch selbst hier oben im Norden geht die Sonne mittlerweile schon um kurz nach 8 unter. Ganz schön früh. Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu und damit auch meine Zeit auf Neuwerk…. (vom 2. September 2017)

Katharina Philipp, Umweltpraktikantin 2017 auf der Insel Neuwerk im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer