Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Tag mit dem Ranger

Es ist schön hier; ich liebe Buchen. Deshalb habe ich mich für ein Praktikum in einem Buchennationalpark entschieden. Jeden Tag seit mehr als einem Monat fahre ich zur Arbeit und bewundere und bestaune diese unendlich schöne Landschaft – ich glaube daran werde ich mich nie satt sehen. Die sanften Hügel sind, besonders jetzt wo die Blätter noch frisch sind, in verschiedenste Grüntöne getaucht. Die Leute hier nennen diese Landschaft das Buchenmeer; ein passender Name wie ich finde. Heute habe ich eine Führung mit Kindergartenkindern zusammen mit einem Ranger. Bei der Führung geht es um Tiere in Bach und Tümpel und davon hat der Nationalpark ausreichend: über tausend Quellen tummeln sich in den nur 57 Quadratkilometern des zweitkleinsten Nationalparks. Nach einer kurzen Begrüßung geht es auch schon los. Wir wandern ein Stück in den Wald hinein und der Ranger gibt den Kindern eine erste Aufgabe: Findet ein Blatt das oben ein Spitzchen hat, an der Seite leicht gewellt ist mit feinen, weißen Härchen und unten einen kurzen grünen oder braunen Stiel hat. Dazu gibt es eine kleine Choreographie mit den Händen. Die Kinder machen bereitwillig mit und finden schon nach kürzester Zeit das Buchenblatt. Am Bach angekommen öffnen der Ranger und ich „Das Tor in das Reich der Bachlebewesen“ und die Kinder machen sich mit Becherlupe und Kescher bewaffnet gespannt an die Arbeit. Wie sollte es anders sein fällt das ein oder andere Kind auch in den Bach was bei diesen Temperaturen allerdings kein Problem ist. Besonders erpicht sind die Kinder auf das Finden von Feuersalamanderlarven, ein Charaktertier des Nationalparks. Schnell vergeht die Zeit und schon müssen alle wieder das Reich der Bachlebewesen verlassen, jedoch nicht ohne, dass jedes Kind den Namen Dreieckskopf-Strudelwurm auswendig kann. Zum Schluss erstellen wir gemeinsam noch ein Waldbild aus Naturmaterialien um uns bei dem Wald zu bedanken. Eine schöne Geste.

Nach einer kurzen Mittagspause mache ich mich mit dem Ranger auf den Weg mitten ins Herz des Nationalparks. Als Biologiestudent bin ich besonders an Forschung im Nationalpark interessiert und habe Glück, dass der Ranger hier das Zielarten-Monitoring durchführt. Dort darf ich mich noch mal etwa zwei Jahrzehnte zurückversetzt fühlen und wagemutig auf Felsen und Bäumen herumklettern. Der Ranger führt mich auf steile, felsige Hänge – teils in schwindelerregender Höhe – um nach einer kleinen botanischen Kostbarkeit zu suchen: der astlosen Graslilie (Anthericum liliago). Das Pflänzchen das vor allem auf sonnigen Felsnasen zu finden ist, kann bis zu einem halben Meter hoch werden und blüht reinweiß. Schnell entwickele ich ein Auge für die Pflanze und das Zählen kann beginnen. Häufig übersieht man unscheinbarere Exemplare ohne Blüte was dazu führt das man noch einmal von vorne zählen muss. Doch die Arbeit macht Spaß und man ertappt sich dabei sich zu freuen wie ein kleines Kind wenn man an einer versteckten Stelle doch noch zehn Pflanzen entdeckt. Schlussendlich ist Feierabend und ich bin kaputt von all der Frischluft und dem Klettern; doch der Tag verging schnell und ich freue mich schon wieder auf morgen auf die Fahrt zur Arbeit durch das Buchenmeer.

Natascha Holube, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Kellerwald-Edersee