Commerzbank-Umweltpraktikum

Ein Montag im Nationalpark Berchtesgaden

Montagmorgen. Ich ziehe die Vorhänge meines Zimmers in der Ramsau um 7 Uhr auf und mein Blick schweift - wie jeden Tag - leicht nach links Richtung Watzmann und dann nach rechts zum Hochkalter. Leider sind die Gipfel nicht zu sehen, da der Regen sich wohl heute nicht verziehen mag.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserer 3er Commerzi-WG treffen wir uns um 8 Uhr mit dem Rest des Umweltbildungs-Teams im Ramsauer Büro, das sich praktischerweise im Nachbarhaus befindet. Johanna Wimmer, ehemalige Praktikantin und jetzt unsere Chefin, bespricht mit uns die kommende Woche und die einzelnen Punkte auf dem heutigen Tagesprogramm. Die Wochen im Mai sind sehr abwechslungsreich, da noch nicht so viele Führungen gebucht sind und wir somit die Möglichkeit haben, unter anderem die anderen Mitarbeiter des Nationalparks zu begleiten. Doch bevor wir in unsere zweite Praktikumswoche starten, bekommen wir noch zwei offizielle Mitarbeiter-T-Shirts und eine Soft-Shell-Weste, die wir bei unseren Führungen in Zukunft tragen werden.

Komplett regensicher eingepackt fahren wir mit unserem grünen Umweltbildungsbus nach Berchtesgaden zum Salzbergwerk. Dort treffen wir auf Monika Lenz, Rangerin, die um 9:30 Uhr zum ersten Mal in diesem Jahr ihre Führung „Kräuter - Lebenskraft aus der Natur" für interessierte Besucher anbietet. Bei diesem Schmuddelwetter spazieren wir zu zehnt oberhalb des Bergwerks entlang und lernen innerhalb der nächsten zweieinhalb Stunden gut 30 Pflanzen kennen, die für den Menschen heilende Eigenschaften haben, oder einfach schmackhaft in unserer Ernährung eingesetzt werden können. Einige sind für mich schon bekannt, doch den Großteil habe ich zwar schon wahrgenommen, aber nicht als nützlich eingestuft. Ich schreibe im Regen wenigstens die Namen der Pflanzen auf, sodass ich sie später noch einmal nachlesen kann. Die Zeit verfliegt wie im Flug und so bin ich fast schon enttäuscht, als Moni uns am Ende ein Gedicht über das Leben von Indianer Crowfeat vorträgt (* siehe unten). Ich wäre noch sehr gerne weiter mit ihr umherspaziert.

Unsere Mittagspause verbringen wir im Foyer der Nationalpark-Verwaltung in Berchtesgaden, wo wir im Vorbeilaufen viele bereits bekannte Gesichter aus der Wanderführerfortbildung der letzten Woche wiedersehen. Um kurz nach 13 Uhr treffen wir uns wieder mit Johanna in ihrem Büro, um den letzten Papierkram für unsere Praktikumszeit hier zu erledigen. Eine Stunde später teilen wir uns auf: zwei Commerzis (Johanna und Rebecca) fahren zum Aschauer Wald - dort trifft sich die Kindergruppe Feuersalamander - und ich gehe zusammen mit Svenja (ebenfalls Commerzbank-Praktikantin) und Paula (Orientierungspraktikum) zu Fuß über den Soleleitungssteg zum Haus der Berge. Dieser verläuft oberhalb von Berchtesgaden am Hang entlang und bietet uns so einen wunderschönen Blick über die Dächer in den Talkessel.

Im Haus der Berge angekommen bestaunen wir zunächst die Aufnahmen der Wechselausstellung „AchitekTIER" vom Fotograf Ingo Arndt, die derzeit hier gastiert. Anschließend verbringen wir den restlichen Nachmittag in der Dauerausstellung „Vertikale Wildnis". Hier kann der Besucher die Jahreszeiten in den vier verschiedenen Lebensräumen (Wasser, Wald, Almwiese, Fels) des Nationalparks nachempfinden. Eineinhalb Stunden langen mir bei weitem nicht, um alles zu erkunden, aber ich werde in den nächsten Monaten hoffentlich noch genügend Gelegenheit dazu haben. Die Fläche erschien mir auf den ersten Blick nicht besonders groß, aber durch die Detailverliebtheit ist sie sehr vielfältig und man kann richtig spüren, wie die Menschen hier mit ihrem Nationalpark und der Natur verbunden sind.

Um 17:30 Uhr ist für heute Feierabend. Nach dem Einkauf fahren wir zurück nach Ramsau und verschönern die weißen Wände unserer WG mit Plakaten vom Nationalpark. Im Flur hängt nun eine „Bucket-List" mit Unternehmungen, die wir uns bis zum Sommer vorgenommen haben. Den Sprung in den kalten Hintersee werden wir wohl schon bald als erledigt abhacken können, weil er bis August sowieso nicht viel wärmer werden wird. Ob wir die Watzmann-Überschreitung schaffen? Man kann sie sich zumindest vornehmen…

Doch jetzt gibt es zunächst einmal Abendessen in der großen WG. Mit 16 anderen Praktikanten, FÖJler und Bufdis sitze ich am großen Tisch und genieße die tolle Gemeinschaft. Und wieder einmal schießt mir der Gedanke in den Kopf: „Was habe ich für ein Glück hier Praktikum machen zu können!"

* Was ist das Leben?

Es ist das Aufleuchten eines Glühwurms in der Nacht
Es ist der Hauch eines Büffels im Winter.
Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

 

Sarah Jacobsen, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Berchtesgaden