Commerzbank-Umweltpraktikum

Den Nationalpark mit anderen Augen entdecken

Es ist Donnerstagmorgen. Aber nicht irgendein normaler Arbeitstag, denn im Moment läuft das Sommerferienprogramm auf Hochtouren. Das heißt für mich, es warten jeden Tag neue und abwechslungsreiche Aufgaben. Momentan befinden wir uns mitten in der Woche des Mediencamps. Dabei handelt es sich um ein vom Bildungszentrum angebotenes Wochenprogramm für Kinder und Jugendliche zum Thema Film und Fotografie. Sie sollen das Schutzgebiet aus anderen Perspektiven entdecken und grundlegende Techniken des Fotografierens mitnehmen.

In den vergangenen Tagen haben wir uns erstmal durch das ein oder andere Spiel alle besser kennengelernt. Die ersten Schnappschüsse und Übungen mit den Kameras waren ebenfalls bereits gemacht und schon wussten die 11 bis 13 Jährigen dann auch in etwa über Brennweite, Blende, Belichtungszeit und Co Bescheid oder zumindest haben Sie rausgefunden, wie Sie verschiedene Effekte auf den Bildern erreichen können. Das heißt, jetzt konnte es dann endlich losgehen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn von Mittwoch auf Donnerstag war eine gemeinsame Hüttenübernachtung geplant. Mit Schlafsack am Rucksack und Kameras in der Hand ging es also gestern über den Grünstein hoch in Richtung Kührointhütte. Damit der Weg nicht zu lang und langweilig wird, haben wir uns noch eine Aufgabe zur Ablenkung überlegt. Unter dem Motto „Bunte Vielfalt“ sollten verschiedene Farbmotive und durch die Natur entstandene Buchstaben aufgenommen und gesammelt werden. Ganz egal was, Hauptsache es wurde in Szene gesetzt. Das Ergebnis sollte ein großer Farbverlauf in Form einer Collage werden.

Das Wetter hatte super mitgespielt, sodass wir genau mit der Mittagssonne an der Kührointhütte am Fuße des Watzmanns und über dem Königssee ankamen. Wir haben uns eine schnelle Brotzeit mit buntem Obst und Gemüse hergerichtet und es uns auf der Wiese vor der Hütte gemütlich gemacht. Durch die Kuhglocken direkt neben uns und frischeste Milch von der Sennerin konnten alle gleich entspannen und sich rundum wohlfühlen. Nach der verdienten Pause haben wir gegen Abend noch einmal einen kurzen Abstecher bei der Archenkanzel gemacht. Diesen Aussichtspunkt sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man schon mal dort ist, denn der herrliche Blick auf den 743 Meter tiefergelegenen Königssee lohnt sich! Wieder zurück an unserem heimeligen Häuschen wurde dann fleißig geschnippelt. Ein paar Zwiebeltränen und gute zwanzig Minuten später hatten wir ein leckeres Abendessen auf dem Tisch. Die Mädels übernahmen danach den Spüldienst und zugleich den Job des nicht vorhandenen Radios und schmetterten ein Lied nach dem anderen, von 99 Luftballons bis hin zu einer fast textsicheren Version von Country Roads war alles dabei. Jetzt hieß es warten bis es dunkel ist. Nach einer kleinen Nachtwanderung haben wir noch schnell das Stativ rausgeholt und mit Taschenlampen und Langzeitbelichtung experimentiert. Als dann auch die letzten Werwölfe bei ihren nächtlichen Streifzügen erwischt wurden, ging es für alle ins gemütliche Bettenlager, denn wir hatten nur ein paar Stunden, um wieder aufzutanken.

Es ist der besagte Donnerstagmorgen, mein Wecker summt mir um 5.00 Uhr sanft ein Lied ins Ohr und ich strample mich nach wenigen Minuten aus meinem muckelig warmen Schlafsack. Warum ? Weil der Sonnenaufgang in den Bergen immer ein Grund ist, früher als gewöhnlich aufzustehen. Bei einem Blick aus dem Fenster war ein sachtes rosarot über den gesamten Himmel verteilt, was uns auf Sonne hoffen ließ. Also haben wir unsere Truppe geweckt und mit allen Mitteln aus dem Bett gelockt. Bei den Einen ging es schneller bei den anderen eben erst nach mehreren Anläufen und Zuspruch. Nach einer halben Stunde standen wir dann alle vor der Tür: Inzwischen war allerdings alles, was kurz vorher noch zu sehen war, in einen Schleier von grauem Nebel gehüllt. Sogar die Kühe, die im Grunde direkt vor uns standen, waren nur durch ihre Glocken zu vernehmen.

Die müden Beine haben uns eine Stunde lang bergauf getragen und glücklicherweise war mit jedem Höhenmeter und jedem Schritt auch mehr Sonne zu erahnen. Und dann waren wir auch endlich nach Murren, Knurren und einigen Stolperern am Ziel angelangt - so gut wie direkt im Watzmann-Kar haben wir erstmal die Ruhe des Morgens genossen. Dank des Ausblicks auf die aufgehende Sonne und den zwischen den Bergen im Tal liegenden Nebel waren die letzte Stunde und der Schlafmangel voll und ganz vergessen. Um diesen Moment voll auszukosten, haben wir vorgeschlagen noch fünf Minuten zu meditieren. Jeder hat sich ein eigenes Sonnenplätzchen gesucht und ist für 5 Minuten in der Stille versunken abgetaucht. Bestens gelaunt und inzwischen etwas wacher ging es im Slalomlauf um Alpensalamander herum zurück zur Hütte, wo schon das Frühstück auf uns gewartet hat. Nachdem wir langsam alles zusammen gepackt und aufgeräumt hatten, wurden noch schnelle Kurzinterviews von jedem gedreht und dann ging es wieder bergab in Richtung Parkplatz. Wie sollte es anders sein, fing es natürlich in genau dem Moment an zu regnen und zu donnern. Also sind wir nicht weit gekommen und nach nur wenigen Metern nochmal eingekehrt und haben bei Brezen und Almdudler auf ein Loch im Himmel gewartet. Vergeblich, wie sich herausstellte, aber irgendwann war es nur noch Nieselregen und wir sind ja nicht aus Zucker und konnten weitergehen. Singend kamen wir unten bei den wartenden Eltern an und alle Kinder waren voll Vorfreude auf den nächsten Tag und vermutlich auch ein bisschen auf ihr Bett.

Ein wenig geschafft aber glücklich und zufrieden über die schönen neuen Eindrücke und Erfahrungen, die ich in den letzten Tagen machen durfte, kam auch ich zuhause in unserer gemütlichen Groß-WG an, wo schon ein herrlicher Duft von Kässspatzen in der Luft lag. Bei gutem Essen und in netter Gesellschaft klingt ein schöner Tag aus und mit dem Wissen, dass der nächste auch schon wartet schläft es sich besonders gut.

 

Annemarie Blome, Umweltpraktikantin 2017 im Nationalpark Berchtesgaden