Commerzbank-Umweltpraktikum

Alle Vöglein sind schon da

Es ist 3:50 Uhr des 26.05.2017. Wie so oft in den vorherigen Wochen klingelt mein Wecker entsetzlich früh.  Es ist wieder einmal Zeit die Singvögel zu kartieren. Jede Woche einmal kartiere ich diese. Beginnend mindestens eine Stunde vor Sonnenaufgang. Ohne Frühstück schwinge ich mich auf mein orangenes Fahrrad, welches immer hin drei Gänge hat und fahre jeden Weg der Insel Neuwerk ab.

In kurzen Abständen und vor allem bei Gehölzen bleibe ich stehen und horche. Nun trage ich alle singenden Vögel möglichst punktgenau auf meine Feldkarte ein. Welch ein Durcheinander an Stimmen, vor allem in der Gehölzreihe am Nationalpark-Haus. Aber ich bleibe konzentriert und schreibe Rufe, Gesang und anderes Brutverhalten genaustens auf. Nach ca. 2,5 Stunden bin ich fertig damit die brutwütigen Singvögel in meine Karte einzutragen.
Zurück in der WG würde ich mich gern noch mal kurz schlafen legen, aber mehr als eine halbe Stunde ist da nicht drin. Danach erst mal Frühstück. Eine große Schale Haferflocken mit Obst und Rosinen.
Gegen 8:00 Uhr geht es auch schon weiter. Es ist kurz vor Niedrigwasser und ich muss in denen von mir ausgewählten Probeflächen innerhalb eines Bruterfolgsmonitorings der rotfüßigen Seeschwalben die markierten Nester kontrollieren. Im Gegensatz zur letzten Begehung sind nun aus den meisten Eier wunderbare flauschige Küken geschlüpft. Ich dokumentiere alles haargenau und markiere die Küken, die zu einem beprobten Nest gehören, farbig. Ich muss mich beeilen, länger als 30 Minuten darf ich nicht in der Kolonie bleiben, damit Eier und Küken nicht auskühlen oder erhitzen.

Nun habe ich erst einmal Pause.  Um 13:00 Uhr geht es weiter, jetzt ist es kurz vor Hochwasser und ich kartiere Brutpaare der Möwen und Seeschwalben in den Vorländern. 1, 2, 3, 4,.........973. Gegen 16:30 Uhr habe ich auch das geschafft. Eigentlich bin ich müde, aber trotzdem mache ich mich gegen 17:00 Uhr noch mal auf die Suche nach dem Gold des Meeres.
Später am Abend falle ich totmüde ins Bett. Was für ein Tag!

Thani Schneider, Umweltpraktikanten 2017 auf der Insel Neuwerk im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer